Einzelfalldiagnostik Lese-/Rechtschreibstörungen und -strategien
21./22.05.2016 (16 UStd.)
Sa. 10:00- 17:30Uhr, So. 9:30-17:00Uhr

 

Margit Widmann
 

Überblick
Diagnostik bedeutet im Wortsinn „Durchforschung“.
Wenn wir diagnostisch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sammeln wir Informationen, welche Schritte im Lese- und Rechtschreiberwerb die Kinder schon erfolgreich vollzogen haben. Die Kompetenzen, die gerade lese- und rechtschreibschwache Kinder bereits mitbringen, spiegeln sich jedoch nicht allein in den Schreibungen wider.
Gerade Kinder und Jugendliche mit einer LRS verfügen oft über ein großes Maß an Regelkenntnissen, und verknüpfen sie zu einem in sich oft sehr viel schlüssigeren Rechtschreibkonzept, als sie den tatsächlich vereinbarten Schreibweisen gerecht werden.
Wir können den Prozess der Einzelfalldiagnostik zur Durchforschung dieser Konzepte nutzen, in dem wir Kinder zum dialogischen Austausch über entschiedene Schreibweisen (Beispiel: gesprochener Auslaut a = er, Vata = Vater, Mutta = Mutter, warum ist Oma nicht Omer?) und über ihre bereits aufgebauten Lesestrategien einladen.
Dies ist  sowohl im Rahmen standardisierter Tests, als auch bei freien Schreib- und Leseanlässen möglich.
Ziel ist es, den Prozess der Einzelfalldiagnostik sowohl zur Informationssammlung für weitere Förderschritte, als auch im Sinne einer Anbahnung eines individuellen, kompetenzorientierten Förderprozesses zu nutzen.

Die Themen im Einzelnen
·     Aktuelles Wissen zu Lese- und Rechtschreibstörungen:
      Komorbide Störungen
      Vorstellen der psychiatrischen Diagnostik (multiaxiale Diagnostik)
·    Die Logik der Rechtschreibung – Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich?
·    Rahmengestaltung einer Einzelfalldiagnostik im Sinne der Unterschiedsbildung zu anderenTestsituationen
·    Standardisierte Testverfahren und ihr Informationsgehalt im Rahmen der Einzelfalldiagnostik
·    Gestaltungsmöglichkeiten freier Lese- und Schreibanlässe
·   
Welche Kompetenzen liegen in abweichenden Schreibungen? - Feinanalyse frei geschriebener Texte
·    Kurzvorstellung des SLRT (Lesetest), Kurzvorstellung des ELFE
·    Die Komplexität des Leseprozesses
·    Gestaltungsmöglichkeiten des dialogischen Prozesses mit den Kindern

Lernmethoden
Anhand von Testbeispielen, Hörbeispielen aus Leseprozessen und freien Texten wird die Auswertung und Analyse praxisnah erarbeitet. Im Seminar gibt es Raum, die Relevanz und Aussagekraft einer Diagnostik gemeinsam zu diskutieren. Ein Schwerpunkt wird auf der dialogischen Gestaltung des diagnostischen Prozesses mit Kindern liegen.

 

Zielgruppe
Das Seminar richtet sich an Lerntherapeuten und Lerntherapeutinnen in der Praxis, die ihr Wissen zur Diagnostik im Bereich der Lese- Rechtschreibschwäche vertiefen wollen. Praktische Erfahrungen und Grundkenntnisse mit standardisierten Testverfahren werden vorausgesetzt.
Im Sinne eines aktiven Arbeitsprozesses begrenzen wir die Gruppengröße auf 14, wir vergeben die Plätze in der Reihenfolge der Anmeldungen.

 

Teilnahmegebühr: 256 Euro